Guter Rat ist teuer oder auch nicht

Tipps und Ratschläge scheinen mit Beginn einer Schwangerschaft etwas zu sein, um das man einfach nicht mehr umhin kommt und was irgendwie zu einer Never Ending Story wird.

Mit Frieda wurde ich 2012 schwanger und darf mir somit seit 4 Jahren Ratschläge geben lassen. Das fing ganz subtil an und bringt mich erst jetzt manchmal richtig auf die Palme. Schieben wir das einfach mal auf die Schwangerschaftshormone.

Damit meine ich nicht die Tipps, die von meinen Eltern oder Schwiegereltern kommen, denn diese unterscheiden sich eindeutig vom Rest der „Tippgeber“. Sie haben bereits Kinder großgezogen, wollen einem helfen UND man kann ihnen irgendwie auch leichter mal sagen, dass man schon wüsste, was man da tut oder zumindest sein Kind so gut kenne, dass eine Lösung auch alleine gefunden wird.

Aber wie fing das alles an? Eigentlich mit lieb gemeinten Ratschlägen in der ersten Schwangerschaft, die sich meist auf die ganzen Problemchen bezogen, die ich damals so hatte. Bei dem einen half dies, bei dem anderen das und das wurde mir dann alles so erzählt. Ich habe vieles ausprobiert und von vielem profitiert. Also war alles gut.

Dann kam die Geburt und schon im Wochenbett auf der Station kamen dutzende Schwestern, die mir allesamt unterschiedliche Hinweise zum Stillen gaben. Nachdem Frieda circa 4 Stunden auf der Welt war und mal schrie, kam eine Schwester und fragte, ob sie ihr einen Nuckel geben dürfte. Ich hatte darüber bis dato nicht nachgedacht und sofort zugestimmt. Der Nuckel kam sofort, Frieda war zufrieden und keine 10 Minuten später kam die nächste Schwester, die Kritik am Nuckel übte. Da bekam ich zum ersten Mal den Ratschlag, dem Kind mal lieber nur die Brust zu geben, es würde sonst zur Saugverwirrung kommen. Ich wusste nicht, wovon die Rede war und war sofort verunsichert. Aber der Nuckel blieb. Zwei Tage im Krankenhaus folgten und damit 48 Stunden in denen ich von jeder Schwester einen anderen Ratschlag zum Stillen bekam. Fix und Fertig bestand ich nach zwei Tagen auf die Entlassung. Ich war durch und durch verunsichert und hatte Angst, bereits alles versaut zu haben. Als ich dann nach üblichen Stillproblemen eine Mahlzeit durch die Flasche ersetzte, ging der Wahnsinn weiter und ich machte Bekanntschaft mit den Pro- oder eben Kontra-Müttern oder Nicht-Müttern, ein dazwischen gab es nicht. Ich wurde darauf hingewiesen, dass es doch besser wäre, es ohne Pre-Milch zu versuchen, mir wurde gesagt, dass das Kind nun völlig saugverwirrt sei und wie schlecht die künstliche Milch doch wäre. Das wurde mir niemals bösartig gesagt, sondern eher wissend. Jeder schien eine Meinung zu haben und zu wissen, wie man es richtig macht. Dass Frieda ein meist ausgeglichenes und endlich sattes Baby war, musste ich mir immer wieder vor Augen führen, um mich in meinen/unseren Handlungen zu bestätigen.

Ein Klassiker ist irgendwie immer das schreiende Baby, denn da hat nun wirklich jeder eine Meinung – Es hat Hunger! Es ist müde! Es hat Bauchweh! Es ist reizüberflutet! Es ist schon so verwöhnt (weil zu viel getragen, zu viel an der Brust, zu viel Nähe, zu viel ….)! Und so weiter. Setzt man sich mit einem schreienden Baby in eine Runde von Verwandten/Freunden/Bekannten, kommen sofort Erklärungen. Schlimmer jedoch: setzt man sich mit einem schreienden Baby in eine Bahn, kommen sofort Erklärungen von Fremden. Und was kann man schließlich als junge Mama mit hysterisch schreiendem Baby besser gebrauchen, als ein paar „nützliche“ Hinweise zu dem Lebewesen, dass man als Mutter ja vermutlich erst einmal am besten kennt???

Es gab bisher so viele Situationen, dass ich mir gar nicht alle merken konnte. Aber zurück blieb immer ein unwohles Gefühl im Magen und die immerwährende Frage, die man sich dann stellt: mache ich vielleicht wirklich etwas falsch? Gerade in dieser Schwangerschaft gab es ein Thema, zu dem mir nun wirklich fast jeder seine Meinung gesagt und mich damit auch oft verunsichert hat. Denn, ich hatte mir zu Beginn der Schwangerschaft in den Kopf gesetzt, dass ich gerne einen geplanten Kaiserschnitt hätte (mehr dazu hier). Für mich gibt es bis heute zig Gründe, die in meiner/unserer Situation dafür sprechen, aber ich bin es leid, mich jedes Mal, wenn das Thema aufkommt, dafür zu rechtfertigen. Ich habe keine Lust mehr, mir von Frauen mit und ohne Kindern sagen zu lassen, dass das keine gute Idee sei. Wirklich die wenigsten haben versucht, mich zu verstehen oder es einfach so hingenommen und es abgenickt. Mittlerweile habe ich mich dagegen entschieden, die Gründe dafür wollte keiner weiter wissen, es wurde meist zufrieden hingenommen. Komisch…

In diesem Jahr hat sich vieles für uns verändert, denn, wir hatten drei Jahre lang ein Kind, das

…alleine in seinem Bett eingeschlafen ist und brav durchgeschlafen hat.

… artig zwischen 19 Uhr und 20 Uhr im Bett lag und nach 11-12 Stunden aufstand, spielte oder uns weckte.

… sich problemlos abgeben ließ, ob nun bei der Tagesmutter, in der Kita, bei Oma und Opa oder Freunden.

HATTEN!

Denn, seit diesem Jahr schläft Frieda bei uns, geht erst sehr spät zu Bett (schläft dafür morgens herrlich lange) und klammert so sehr, dass ein abgeben herzzerreißend ist. Gründe für ihr Verhalten lassen sich sofort finden und alles scheint plausibel. Für uns. Für andere gibt es nun genug Stoff zum Kopf schütteln und das leider oft offenkundig. Vielleicht habe ich das vor einer Weile selber noch so gemacht (obwohl ich immer noch meine, dass ich mir meinen Teil meist gedacht habe), aber unsere Situation hat sich geändert und mittlerweile ist uns als Eltern bewusst geworden, dass Routinen,  Rituale und eingespielte Abläufe durchbrochen werden können, auch wenn es in unserem Fall ungewollt passiert ist, so ist es eben doch passiert. Wir wissen, dass das alles schon bald wieder anders sein kann, denn mit dem Einzug von unserem zweiten Kind, wird sich wieder einiges ändern, so viel ist klar. Und bis dahin machen wir so weiter wie bisher, denn obwohl so vieles jetzt anders abläuft, macht Frieda auf uns keinen gestörten, verstörten oder fragwürdigen Eindruck.

Ich bin ganz ehrlich, ich habe auch immer zu allem eine Meinung, ABER, vieles wurde seit diesem Jahr völlig überworfen und ich sehe so manches jetzt ganz anders. Ich finde, dass ich viel offener für andere Abläufe geworden bin. Habe ich vor einem Jahr noch beim Stichwort Familienbett die Augen gerollt, finde ich es heute sehr schön, wenn Frieda sich nachts ankuschelt und kann die Pro-Meinungen auch verstehen.

Habe ich als kinderlose Studentin Unverständnis für Kinder gehabt, die an warmen Sommerabenden noch spät mit ihren Eltern umher schlenderten, freue ich mich heute, dass wir durch Friedas veränderte Schlafgewohnheiten schon so viele schöne Abende hatten, an denen sie ohne zu nörgeln mit mir oder uns unterwegs war. Ich muss auch gestehen, dass ich manchmal ganz froh bin, dass ich Frieda am Abend auch mal mitnehmen kann, denn wer einen Musiker als Mann hat und in einer Stadt ohne Eltern/Schwiegereltern wohnt, hat es am Wochenende mitunter sehr schwer, wenn er auf Babysittersuche geht.

Mein Fazit: Ich möchte mich zukünftig nicht mehr erklären müssen, denn wir sind gute Eltern und die anderen sind es auch!

 

Wochenende in Bildern

Ich mache auch mal wieder mit, weil ich auch so gerne bei Geborgen Wachsen am Montagmorgen lese, was viele so am Wochenende gemacht haben.

Unser (sonniges und warmes) Wochenende begann schon Freitagfrüh, da wir nach einer anstrengenden Woche entschieden haben, dass Friedi nicht zur Kita geht und wir ans Wasser fahren. Vorm Strandbesuch machte uns mein Mann Pancakes, die wir bei schönem Wetter auf dem Balkon genossen haben. Danach ging es ans Wasser, wie gut, dass wir so viele schöne Strände in unmittelbarer Nähe haben.

Auf dem Rückweg schlief Frieda ein und das bedeutete, dass es ein langer Abend werden konnte. Also fuhr ich mit ihr am Abend nochmal ans Wasser, wo der Papa einen Auftritt hatte. Wir aßen gut, blieben lange und Friedi war ein Sonnenschein, tanzte und genoss die Musik.

Am Samstag schliefen wir lange und da wir noch auf einer Taufe eingeladen waren und ich noch immer keine Geschenke dafür hatte, mussten wir noch in die Stadt, wo es noch ein schnelles Frühstück gab und ich mein Bauchwachstum schnell dokumentierte.

Wir waren danach viel zu spät dran und mussten zusehen, dass wir rechtzeitig zur Kirche kamen. Die Taufe der beiden Kinder war in einer süßen Dorfkirche im kleineren Kreise. Für mich die erste Taufe und Frieda war auch ganz angetan. Mein Mann war natürlich nicht dabei, da er im Sommer an den Wochenenden meist arbeitet, aber ich war ja nicht allein ;).

Anschließend wurde bei unseren Freunden auf dem Bauernhof geschlemmt, die Kinder spielten und Frieda war wie immer zufrieden, wenn wir dort sind. Sie liebt die Tiere dort, kann frei herum laufen und es gibt immer leckeres Essen. Schnell fand sie auch eine Spielgefährtin und die beiden waren glücklich zusammen. Bilder habe ich irgendwie nur vom selbstgemachten Essen gemacht.

Am Abend wurde es sehr spät und so schliefen wir auch am Sonntag lange und starteten dann in einen Tag voller Essen. Zuerst gossen wir aber Blumen, da es tatsächlich auch mal bei uns an der Küste richtig warm ist. Anschließend gab es Friedis Lieblingsfrühstück, erst Haferbrei und dann aufgebackene Croissants (ein Traum). Wir machten Eierlikörkuchen, bauten den zweiten Kinderstuhl auf, spielten mit dem Bauernhof und Friedi badete auf dem Balkon in der Kinderbadewanne. Am Abend machte mein Mann mit der gerade erst erworbenen Fritteuse normale- und Süßkartoffelpommes. Lecker.

Eigentlich wollten wir heute auch ans Meer, aber es war so schön, einfach mal Zeit zuhause zu haben, ein paar Sachen zu erledigen, zu schlemmen und keinen Zeitdruck zu haben.

Heute Nacht erwarten wir noch Besuch von meinen Eltern und das heißt, dass Friedi morgen wieder nicht in die Kita geht und sich verwöhnen lassen kann.

Wenn ihr euch auch andere Wochenenden in Bildern ansehen wollt, geht es hier entlang.

Habt eine schöne Woche!

Danke sagen …

Ich wünsche mir zu Weihnachten meist einen neuen Jahreskalender und liebe es, sofort wichtige Termine in das neue Buch zu übertragen und im alten Jahr zu blättern. Dabei lese ich immer, was so in den letzten 12 Monaten passiert ist. In diesem Jahr fiel mir auf, wie viel Platz in meinem Kalender (in meinem Leben) Familie und Freunde einnehmen und wie oft ich im letzten Jahr gedacht habe, dass ich ohne sie aufgeschmissen wäre. Deswegen möchte ich mich jetzt und hier, an dieser Stelle, dafür bedanken.

Bedanken für Omas und Opas, die mir den Rücken frei gehalten und Frieda betreut haben, wenn ich für Klausuren lernen oder Hausarbeiten schreiben musste. Die ihre eigenen Bedürfnisse zurück stellten, um sich voll und ganz auf ihr Enkelkind konzentrieren zu können. Denen es egal war, dass andere Sachen liegen bleiben, dass das Haus etwas unordentlich ist, dass das Essen später auf dem Tisch steht und oft Nudeln und Buletten beinhaltete. Die sich voller Vorfreude auf den Besuch vorbereiteten und für Frieda immer wieder Erinnerungen schaffen, die sie hoffentlich ein Leben lang behalten wird.

Bedanken für Freunde, die mir Wochenenden, an denen ich oft mit Frieda allein bin, versüßten. Die uns beide zum Frühstück einluden, die uns rauslockten, in die Stadt baten und dort mit Friedi durch die Straßen sprangen. Die Eis kauften und uns zum Lachen brachten. Die Grimassen schnitten, die sich zum Clown machten, die Friedi in ihr Herz schlossen. Die zu uns nach Hause kamen, Plätzchen mit uns backten, da waren. Die am Abend die Kinderbetreuung übernahmen und zu Weihnachten kleine und große Aufmerksamkeiten schickten. Freunde, die mich nicht alleine sondern ausdrücklich uns beide sehen und um sich haben wollen.

Dankbar bin ich aber auch für die Freunde, dich mich eben nicht nur als Mama sehen, sondern mit mir zusammen die Zeit zurückdrehen, für einen Nachmittag, einen Abend, …



Danke ihr Lieben für so ein schönes Jahr!