Wiederholungstäter

Am liebsten sind mir ja leichte Nähprojekte, am besten ohne Jersey. Eine Clutch zu nähen, ist wirklich nicht schwer, zumindest nicht nach dieser Anleitung {hier}. Bereits im Sommer habe ich mir eine Tasche genäht {hier}. Nun hatte meine Mama Geburtstag und ein Geschenk musste her. Also habe ich auf dem Stoffmarkt rotes Kunstleder und einen blumigen Innenstoff gekauft und nach dieser einfachen Anleitung wieder ein kleines Täschchen genäht.

Kind im Studium – Studium mit Kind

Bevor ich Frieda bekam, hatte ich bereits ein Bachelorstudium abgeschlossen und mich, kaum schwanger, zu einem erneuten Studium entschieden. Ich wusste mit der Zusage, dass das Studium für mich weniger umfangreich sein würde, weil ich mir aus meinem ersten Studium sehr viel anrechnen lassen konnte. Trotzdem stand ich vor der Herausforderung, das alles dann irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Frieda sollte ein paar Wochen vor Beginn des zweiten Semesters kommen. Ich ging also zur Studienberatung und wir machten dort aus, dass ich erst einmal unter Vorbehalt ein Urlaubssemester beantragen sollte. Die Vereinbarung war, dass ich auch noch im laufenden Semester den Antrag zurückziehen konnte.

Um später mit Kind weniger zu tun zu haben, ging ich im ersten Semester zusätzlich zu Veranstaltungen der dritten Semester. Dadurch war das erste Semester sehr anstrengend, aber ich wusste ja, dass es sich lohnen würde. So langsam trudelten dann auch die Anerkennungsschreiben ein und ich konnte abschätzen, wie viel in den kommenden Jahren noch zu tun sein würde. Ich erkundigte mich, welche Kurse im zweiten Semester zu absolvieren waren und kontaktierte die Dozenten. Denen schilderte ich meine Situation mit dem eventuellen Urlaubssemester und meinen Wunsch, das Studium trotz Kind schnell über die Bühne zu bringen. Alle waren sehr verständnisvoll. Außerdem schrieb ich mich für das kommende Semester für drei Blockseminare anstelle von semesterbegleitenden Seminaren ein. Diese würden erst zum Ende des Semesters an ein paar Tagen gebündelt stattfinden.

Es kamen und gingen die Semesterferien und wir warteten und warteten, aber nichts passierte. Dann, 8 Tage nach dem errechneten Termin und somit nur wenige Tage vor dem Semesterstart, kam Frieda zur Welt. Endlich! Ich war happy. Ich war überfordert und ich war so gar nicht in der Lage mir vorzustellen, das Studium mit dem Würmchen tatsächlich irgendwie zu wuppen. Nach den ersten schwierigen Wochen wurde es leichter und ich fühlte mich irgendwie etwas leer. Ich schlief morgens lange mit Frieda, dann trank sie, dann wickelte ich sie, dann zog ich sie an, dann gingen wir raus, dann kamen wir wieder, dann trank sie, dann wickelte ich sie….. Tag ein, Tag aus, immer dasselbe. Also entschied ich, den Antrag zurück zu ziehen und Veranstaltungen zu besuchen. Frieda war genau 6 Wochen alt, als ich wieder zu einer Vorlesung gegangen bin. Der Papa wurde instruiert, ich setzte mich ins Auto und fühlte mich frei. Ich wusste ja, dass Frieda in guten Händen ist und ich nur für knappe zwei Stunden weg sein würde. Es war so schön, endlich wieder unter Menschen zu sein. Für den Papa war es nicht so schön, denn eine Mama ist ja für das Kind am Anfang mehr so der Lieblingsmensch. Aber sie haben es beide geschafft.

Mit den Dozenten hatte ich mich darauf geeinigt, so gut es eben ging an den zwei Vorlesungen teilzunehmen und ich war auch wirklich nur sporadisch da (Leistungen musste ich natürlich trotzdem erbringen). Denn meine Vorlesungszeiten waren nicht immer kompatibel mit den Arbeitszeiten meines Freundes bzw. den paar festen Arzt-Terminen von Frieda. Rückbildungskurs, Krabbelgruppe, Babyschwimmen – all das fiel bei uns aus, weil es meist am Vormittag war und ich dort nicht konnte. Da ich in meinem Freundeskreis jedoch sehr viele junge Mamas habe, fehlte es mir trotzdem nicht an Kontakten, Schiebepartnerinnen und Nachmittagen mit den Kindern.

Die Zeit rannte und das Semester war auch schon fast wieder zu Ende – da kam die nächste Hürde. Die Blockseminare. Frieda war mittlerweile knapp drei Monate alt und es war für mich keine Lösung, sie dort mit hinzunehmen. Das erste Seminar ging über 4 Tage von morgens bis nachmittags. Die Veranstaltung war okay, aber in den kurzen Pausen musste ich immer nach Hause rasen, für Getränkenachschub sorgen, den Papa trösten, der keine leichte Zeit mit Frieda hatte und wieder zurück zum Seminar.

Auch die anderen Blockseminare waren okay. Es war eben sehr anstrengend, zeitintensiv und an erster Stelle stand selbstredend trotzdem Frieda mit ihren Bedürfnissen. Aber es ging irgendwie. Nicht zuletzt, weil mein Freund selbstständig ist und sich seine Zeit zum Teil frei einteilen kann, weil wir großartige Eltern haben, die uns immer wieder den Rücken frei gehalten haben und weil Frieda trotz einiger schwieriger Phasen ein sehr liebes Kind war, die sich anstandslos auch mal aus der Hand geben ließ.

Nach dem zweiten Semester war klar, dass, so lange ich weiterstudieren wollte, unser Wunsch, Frieda das erste Jahr zuhause zu betreuen, nicht realistisch war. Kurzfristig einen Kitaplatz zu bekommen, war utopisch. Also ging es auf Tagesmuttersuche und es fand sich ziemlich schnell eine schöne Einrichtung mit zwei Tagesmüttern. Beide waren sehr sympathisch und die überschaubare Zahl von 8-10 Kleinkindern stimmte mich zuversichtlich. Wir brachten Frieda also mit 6 Monaten zur Tagesmutter. Morgens um 9 Uhr ging es los und nach meinem letzten Seminar holte ich sie meist gegen 15 Uhr ab. Frieda ging es gut, es gab keine Heulattacken, kein Festklammern, kein Haareausreißen – sie war dazu auch einfach noch zu klein. An den Nachmittagen machten wir das, was die anderen mit ihren Kindern auch taten und wenn Frieda ins Bett ging, machte ich mich an meine Uniaufgaben. Auch Gruppentreffen legte ich in die Abendstunden und ließ sie im besten Falle bei uns stattfinden. Frieda ging immer zu einer festen Zeit ins Bett und so konnte ich alles gut planen.

Ein Jahr nach der Geburt musste ich dann einige Veranstaltungen aus dem 2. Semester nachholen, die aus dem 4. besuchen und wieder versuchte ich, vorzuarbeiten und ging zu einigen aus dem 6. Semester. Die Anstrengungen zahlten sich auch hier wieder aus und ich kann jetzt (7. Semester) nebenbei sogar jobben gehen und habe kaum noch Veranstaltungen offen.

Letztendlich muss ich ehrlich gestehen, dass ich so manches Mal die anderen Mütter beneidet habe, die sich ein Jahr nur um das Baby kümmern konnten und nicht für Klausuren lernen oder Hausarbeiten schreiben mussten. Andererseits bin ich aber auch heilfroh, dass ich nicht noch länger als nötig studieren muss und stolz, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Und damit stehe ich ja nicht alleine da, es gibt so viele Studenten mit Kind oder Kindern und die kriegen das auch hin. Es bedarf manchmal einfach etwas mehr Organisation, Struktur und – wenn sie zur Verfügung stehen – ein paar helfende Hände. Unsere Eltern leben nicht in direkter Nähe, zu beiden sind es rund zwei Stunden Fahrt. Aber mit etwas Planung im Voraus hat es bisher immer geklappt, dass ich gerade in Prüfungszeiten lernen konnte, während Frieda glücklich und zufrieden Urlaub bei Oma und Opa machte (das stieß bei anderen auch oft auf Unverständnis).

Ein Studium mit Kind bzw. Kindern zu absolvieren ist durchaus möglich, natürlich ist es auch abhängig vom Studiengang, wie stressig es am Ende wirklich ist, aber ich habe bisher noch von niemandem gehört, dass es nicht zu schaffen wäre.